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St. Lambertus Schützenbruderschaft 1610 e.V. Nettetal-Leuth

Der Vogelschuss

Text: Jubiläumsbuch 2010

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Vogelschuss 2009
Foto: Sigi Katzmann

Die Schießwaffen, deren sich die Schützen in ältester Zeit bedienten, waren der Langbogen, welcher gewöhnlich unter der Bezeichnung „Handbogen” vorkommt, hauptsächlich aber die Armbrust, welche auch Kreuz- und Fußbogen genannt wird. Die Feuerbüchsen waren zwar schon in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts bei einzelnen Schützen-Gilden in Gebrauch, kamen jedoch erst im achtzehnten/neunzehnten Jahrhundert zur allgemeinen Anwendung. Leider ist hier zu berichten, dass unsere Bruderschaft einen Unglücksfall mit Todesfolge zu beklagen hat. Als man am 26. April 1665 (3. Sonntag nach Ostern) den Vogel schoss, ist Geurt Bontenakels durch Joh. Tewen, dessen Gewehr aus Unvorsichtigkeit losging, erschossen worden. Der Vogelschuss wurde abgebrochen und der Verunglückte Geurt Bontenakels wurde im Trauerzug ins Dorf getragen. Den ersten Schuss tat gewöhnlich der bisherige Schützenkönig im Namen und zu Ehren des Landesherrn.

Die innere Organisation der Schützen-Gilde war ganz nach den militärischen Regeln ausgerichtet. So sind uns die Dienstgrade: Hauptleute,

Kapitäne, Feldwebel und Fähnriche bis in die heutige Zeit bekannt. Anstelle der früheren Dienstgrade Oberhauptleute, Lieutenant, Sergeant und Korporal kennen wir heute die Dienstgrade: Generalfeldmarschall, General, Adjutant, Offizier und Major.

Zu den Übungen und Festlichkeiten der Schützengesellschaften gehörte hauptsächlich das jährliche Vogelschießen. Man schoss fast überall nach einem auf einer Stange befestigten hölzernen Vogel. Der Schießplatz wurde von dem sogenannten „Bahnmeister” angelegt und in Stand gehalten. Vor Beginn eines Schießens wurde der Schießplatz in der Regel „gefreit”, was besagt, dass alle beim Schießen etwa vorkommenden Unglücke, z. B. Tötung oder Verletzung eines Schützen oder Zuschauers durch Unvorsichtigkeit der öffentlichen Gerichtsbarkeit entzogen, also mithin straffrei waren.

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Vogelschuss 2009
Foto: Sigi Katzmann

Der im Jahre 1881 verstorbene Herr Reichsgraf Rudolph von Schaesberg-Krickenbeck, Ritter des Malteserordens, führte den Ehrenschuss in der Regel persönlich durch. 1891 wurde seinem Neffen, seiner Erlaucht dem Herrn Reichsgrafen Heinrich von Schaesberg-Tannheim und Krickenbeck zu Schloss Tannheim, Oberamt Leutkirch Königreich Württemberg, dieses Recht des Ehrenschusses seitens der Bruderschaft wieder angeboten.

Seither wurde seitens der Bruderschaft der Graf von Schaesberg jedes mal zum Vogelschuss eingeladen.

Ab 1910 wurde auf dem neuen Schiessstand beim Wirt Albert Houben bzw. ab dem Jahre 1924 bei Franz Funken geschossen. Die Kosten für das Vogelschießen betrugen:

1910 8 Mark 40 Pfennig

1924 3 Goldmark 33 Pfennig

1927 16 Mark 60 Pfennig für 110 Patronen

1928 24 Mark 15 Pfennig für 161 Schuss Munition

 

Der Schützenverein Tell, welcher 1900 gegründet worden ist, übernahm ab 1924 die Durchführung des
Schießens. Diese Obliegenheit hat der Schützenverein „Tell” bis heute in vorbildlicher Weise durchgeführt.